Zum Inhalt springen.
Zur Navigation springen.

Rio Negro Expedition vom 15.-26 Nov. 2008

Die Expedition beschränkte sich auf das Gebiet des Rio Negro und seine Seitenarme/Flüsse, da es hier aufgrund der Wasserzusammensetzung so gut wie keine lästigen Stechmücken gibt. Außerdem zwangen uns die riesigen Entfernungen dazu, das Gebiet einzugrenzen. Startpunkt für unsere Expedition war Manaus, eine Millionenmetropole mitten im Amazonas. Bei der Reisezeit haben wir uns auf die Trockenzeit festgelegt, da es dann aufgrund des niedrigen Wasserstandes mehr zu entdecken gibt. Wohlwissend, dass zu dieser Jahreszeit nicht mehr alle Seitenflüsse befahrbar sind und die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit für uns Europäer eine echte Herausforderung wird. Übernachtet haben wir vor und nach der Expedition im Rio Negro Guest House in Manaus. An dieser Stelle sei noch erwähnt, dass aufgrund des Umfangs der Expedition hier nur einige Auszüge aufgeführt sind und nicht die komplette Reise. Lassen sie sich jetzt entführen in eine Welt voller Mythen und Legenden.

Früh am Morgen des 16. November machten wir uns nach einem ausgiebigen Frühstück auf in unser Abenteuer. Mit einem Taxi fuhren wir zum Hafen von Manaus. Von dort aus wollten wir mit einer Autofähre auf die andere Seite des Rio Negro gelangen. Hier mussten wir dann aber das erste mal feststellen, das hier alles sehr viel gemütlicher und unkoordinierter vonstatten geht als wir es gewohnt sind.

Die Überfahrt wurde dann aufgrund der Menschenmassen, der teilweise lauten Musik aus den Autos und den Blicken der Einheimischen zu einem echten Erlebnis. Gleichzeitig machte uns die hohe Luftfeuchtigkeit und die Temperatur von fast 40 Grad schon jetzt um diese Uhrzeit zu schaffen. Wohlwissend, dass uns noch eine 3 stündige Autofahrt bevorstand.

Nach der 1 stündigen Überfahrt zwängten wir uns dann zu fünft mit unserer kompletten Ausrüstung in ein kleines Taxi.

Ohne die Klimaanlage im Auto wäre diese Fahrt zum 3 Stunden entfernten Dorf Novo Airao wahrscheinlich nicht ohne größere Zwischenfälle vonstatten gegangen.

Das kleine Dorf Novo Airao liegt am Ufer des Rio Negro und wirkt beim ersten Anblick wie ein verschlafenes Nest am Rande des Urwaldes. Bei der Fahrt durch die teils mit riesigen Schlaglöchern übersäten Straße wurde uns langsam bewusst, was für eine Gewalt die Regenschauer hier im Amazonas mit sich bringen. Schwer vorstellbar bei blauem Himmel und über 40 Grad im Schatten.

Am Ufer des Rio Negro hatten wir uns mit Wolfgang Brög verabredet. Vielen ist der Name sicherlich ein Begriff aus zahlreichen Verfilmungen über den Amazonas, die Wolfgang gedreht hat. Mit seinem Schiff Aynara,seiner Besatzung und ihn als Kapitän, stand unserem Abenteuer nun nichts mehr im Weg.

Das Amazonasgebiet mit seinen Wassermassen und seiner unendlich scheinenden Weite entzieht sich jeglicher Vorstellungskraft. Selbst in der so heißen Trockenzeit gleicht der Rio Negro an manchen Stellen einem See. Viele Nebenarme sind ein vielfaches breiter als so mancher große Fluss, der durch Deutschland fließt. Auf der anderen Seite die vielen kleinen Nebenflüsse, die nur kniehohes Wasser führen und mit dem Motorboot nur sehr schwer zu befahren sind. Die hohe Luftfeuchtigkeit, Temperaturen von weit über 38 Grad und die Uferzonen, hinter denen sich der immergrüne Urwald erstreckt, lassen es zu einem unvergesslichen Erlebnis werden.

Die Reise führt uns durchs Wasserlabyrinth des Rio Negro mit dem Schiff Aynara und den Nebenflüssen Rio Apuau und Rio Sobrado mit dem Motorboot. Ständige Begleiter waren die rosa Flussdelfine, die uns neugierig folgten.

Die Uferzonen des Rio Negro waren aufgrund der Trockenzeit gesäumt von weißen Sandbänken. Es erweckte stellenweise den Eindruck, als hätte es einen in die Karibik verschlagen. Wäre da nicht das bräunlich schimmernde Wasser, das dem Rio Negro seinen Namen gab. Wassertemperaturen von 37 Grad in einem Meter Tiefe waren keine Seltenheit. Täglich lud uns diese „Riesenbadewanne“ zum Schwimmen ein. Gerüchte über angriffslustige Piranjas und Kaimane kann ich nicht bestätigen. Sie waren zwar ständig gegenwärtig, wurden uns aber nie zur Gefahr.

Kurz vor Sonnenuntergang legten wir mit dem Schiff in einem kleinen Nebenarm in einer geschützten Bucht an. Dort sollten wir vor schweren Unwettern, die es hier des Nachts öfters mal gibt, sicher sein. Kaum vorstellbar, dass sich bei starkem Regen hier meterhohe Wellen auftürmen können.

Die Geräuschkulisse während des Sonnenunterganges und der Nacht waren einmalig. Als ob alle Tiere des Urwaldes, die irgend ein Geräusch von sich geben können, auf einmal zum Konzert antraten. Dass so viel Lärm auch entspannend sein kann und man gleichzeitig in seiner Hängematte an Deck einschläft, konnte ich mir bis zu diesem Zeitpunkt nicht vorstellen. Gut, dass das Leben immer wieder ein paar Überraschungen für uns bereithält.

Am darauffolgenden Tag, bei Sonnenaufgang, beluden wir unser Motorboot, um den Rio Apuau und den angrenzenden Urwald stromaufwärts zu erkunden. An Bord hatten wir Verpflegung für 2 Tage, Hängematten für das Nachtlager im Dschungel und ein paar Planen. Den Rest ließen wir auf dem Schiff, das mit der kompletten Crew in der Bucht auf uns warten sollte. Die komplette Ausrüstung war in wasserdichten Kanistern verstaut, was sich auch später als sehr sinnvoll herausstellen sollte.

Der Rio Apuau ist ein kleiner Zufluss des Rio Negro. Von Fluss konnte aber aufgrund der Trockenzeit keine Rede sein. Das Wasser war stellenweise nicht mal mehr kniehoch und die vielen Äste und Lianen im schmalen Flussbett erschwerten das Vorankommen. Gleichzeitig brachte uns das scharfe Schnittgras, das überall ins Wasser ragte, öfters aus dem Gleichgewicht. Trotz des niedrigen Wasserstandes gab es immer wieder gefährliche Stromschnellen, die unser Boot ohne unseren erfahrenen Bootsmann mit Sicherheit zum Kentern gebracht hätte.

Da die Sonne unermüdlich vom Himmel brannte und die doch reichlich vorhandenen Bäume am Flussrand wegen der sehr hoch stehenden Sonne kaum Schatten spendeten, legten wir an einer Lichtung an. Von dort aus ging es dann nach einer Erfrischung im 35 Grad warmen Wasser und einem kühlen Bier zu Fuß weiter. Moses, ein Einsiedler, den Wolfgang von früheren Expetitionen kannte, ging barfuss und nur mit einer Machete in der Hand voraus. Wir waren alle froh, jemanden dabei zu haben, der sich in diesem grünen Labyrinth auskennt oder zumindest so tat. Allein schon beim Anblick, wie er barfuss durch den Dschungel lief, ließ meine Zweifel schnell verfliegen.

Im Gegensatz zum Boot gab es hier so gut wie keine Sonne. Die riesigen Bäume mit ihrem dichten Urwalddach gaben uns keine Chance, den Himmel zu erblicken. Kein Wunder, dass hier ein stetiger Kampf zwischen den Pflanzen herrscht, um an das so lebensnotwendige Licht zu gelangen. Deshalb erscheint auch der mit Laub bedeckte Urwaldboden eher trostlos, obwohl sich hier und da immer mal wieder ein Urwaldbewohner zeigte.

Der hohen Luftfeuchtigkeit mussten wir schon nach wenigen Stunden Tribut zollen. Wir beschlossen, den Rückweg anzutreten, um vor Einbruch der Dunkelheit unser Camp am Flussufer aufzubauen. Nach einer Stärkung am Lagerfeuer und der wiederkehrenden Geräuschkulisse des Urwaldes waren die schweißtreibenden Strapazen des Tages schnell vergessen. Nach einer erholsamen Nacht sollte es dann am nächsten Tag mit dem Boot noch ein Stück flussaufwärts gehen, bevor wir den Rückweg zum Schiff antraten.

Zurück auf dem Schiff beschlossen wir, am kommenden Tag den Rio Negro flussabwärts zu fahren, um uns an Deck in der Hängematte mal so richtig zu entspannen. Bei einem kühlen Caipirinja ließen wir es uns gut gehen. Gleichzeitig luden uns die herrlichen Sandbänke und unsere treuen Begleiter, die Flussdelfine, zum Baden ein. Diese waren ständig für jeden Blödsinn zu haben.

Die letzten beiden Tage unserer Expedition waren wiederum für einen Abstecher in einen kleinen Nebenfluss des Rio Negro eingeplant. Dafür hatten wir uns den Rio Sobrado ausgesucht, der durch sein enges Flußbett und den dichten Urwald sehr interessant schien. Aufgrund des niedrigen Wasserstandes konnte aber niemand ahnen, wie weit wir mit unserem Motorboot und der Ausrüstung kommen würden.

Bei Anbruch des Tageslichtes machten wir uns auf den Weg. Mit dabei waren wieder die wasserdichten Kanister mit unserer Ausrüstung und der Verpflegung für die nächsten 2 Tage. Die Einmündung vom Rio Negro in den Rio Sobrado glich eher einem Sumpfgebiet als einem Fluss. Das Wasser war kaum tiefer als 30 cm und hatte auch wieder die typische Braunfärbung. Der feine Sand auf dem Grund war durch die einfallenden Sonnenstrahlen sehr gut zu erkennen. Immer wieder tauchten kleinere Schwärme von Fischen in der Nähe unseres Bootes auf. Auf den unzähligen Bäumen und Ästen die aus dem Wasser ragten, saßen Vögel in den unterschiedlichsten Farben und Größen.

Das Wasser machte den Eindruck, als würde es stehen. Je weiter wir uns voran wagten, um so enger wurde das Flussbett und desto stärker wurde die Strömung. Immer wieder blieb unser Motor bei diesem niedrigen Wasserstand in den Ästen und Baumstämmen, die mitten im Flussbett lagen, hängen. Gleichzeitig brannte die Sonne wieder unermüdlich vom Himmel. Nach 3 stündigem mühsamen Vorankommen wurde uns dann auch klar, wo dieser Fluss diese enorme Fließgeschwindigkeit her hat.

Direkt vor uns tauchte ein kleiner unscheinbarer Wasserfall auf, der mit unserem Boot aber trotzdem unüberwindbar schien. Auch der Gedanke, den Wasserfall mit unserem Boot und der Ausrüstung auf dem Landweg zu umgehen, war aussichtslos. Die Uferzonen waren von dichtem Urwald umgeben und die Wassertiefe oberhalb des Wasserfalls betrug nur wenige Zentimeter. Deshalb beschlossen wir, unterhalb des Wasserfalls unser Camp aufzubauen.

Von dort aus ging es dann zu Fuß weiter durch den dichten Urwald. Bei Einbruch der Dunkelheit wollten wir wieder zurück im Camp sein. Da wir dieses mal unseren erfahrenen Guide Moses nicht dabei hatten, markierten wir unseren Weg immer wieder mit Ästen, um uns in diesem grünen Labyrinth nicht zu verlaufen. Erfrischen durften wir uns an den Wasserlianen, die es hier im Urwald genügend gab. Diese hatten teilweise einen Durchmesser von mehr als 10 cm und das Wasser hatte einen angenehmen Beigeschmack.

Der Urwaldboden war wieder übersät von Laub und kleinen Wurzeln, die zum Stolpern einluden. Gefährlich waren auch die verschiedenen Palmenarten, deren Stamm mit spitzen Stacheln übersät waren. Ganz zu schweigen von den Urwaldbewohnern, die man fast immer lautstark hörte, aber ganz selten nur zu Gesicht bekam.

Und wenn sie sich dann doch mal blicken ließen, konnte man meinen, ihnen gehört der Urwald ganz allein. Langsam neigte sich dann der Tag wieder dem Ende zu und wir machten uns auf den Rückweg zum Camp. Von dort aus ging es dann am nächsten Morgen noch einmal ein Stück durch den Dschungel bevor wir den Rückweg antraten.

Leider war nun auch die Zeit gekommen, da sich unsere Expedition dem Ende zuneigte. Wir haben viel erlebt, viele bleibende Eindrücke gewonnen und sind uns sicher, dass dies nicht unsere letzte Reise im Amazonasgebiet war. Es war ein unvergessliches Erlebnis, das alle Erwartungen und Vorstellungen weit übertraf. Vielleicht tauchen sie ja selbst mal ein in diese wunderbare Welt der Mythen und Legenden.